Bericht aus der Main-Post vom 11. Januar 2011 (von Helmut Rienecker)

Warten auf den Scheitelpunkt
Frickenhäuser versuchen, sich gegen die Mainfluten zu schützen

An der Decke seiner Garage in der Maingasse hat Klaus Hammer die Platten hängen mit denen er sein Garagentor wasserdicht verschließen kann. Auch für die Haustüre und die Fenster sind Dichtplatten vorhanden. Aus vielen Erfahrungen hat er, genau wie viele andere Frickenhäuser in den Gassen am Main und in der Hauptstraße gelernt, sein Heim vor den Fluten des Mains zu schützen.

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Schlechte Aussichten: Am Montag Nachmittag stand der Mainpegel in Frickenhausen bei 5,50 Meter. Erwartet werden 6,50 Meter.                   Fotos: HELMUT RIENECKER

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Überall in dem Frickenhäuser Mainviertel laufen am Sonntag Nachmittag die Vorbereitungen gegen die Flut. In den tiefer gelegenen Häusern sind zwar keine Keller auszuräumen, die hat es hier noch nie gegeben, aber alle Zimmer zu ebener Erde werden geleert.

Auf landwirtschaftliche Anhänger, von Schleppern gezogen werden die Möbel verladen und zu Bekannten oder Verwandten gefahren. Auch viele Kleinlaster, Kleinbusse oder Pkw mit Anhängern sind in den Gassen unterwegs. Andere vertrauen darauf, die Möbel auf Bierzeltgarnituren oder Böcke zu stellen. Der Pegel wird schon nicht so hoch steigen.

Am Sonntag um 15 Uhr sind es noch 4,60 Meter. Bis 6 Meter hält der Quick-Damm im Maintor die Fluten draußen. Aber nur zehn Zentimeter mehr und das Mainwasser kommt auch zum Ochsenfurter Tor herein. Doch da sprudelt es bereits aus allen Kanalschächten, Toiletten und Waschbecken

Auch am Babenbergplatz ist hektische Aktivität ausgebrochen. Bereits seit kurz nach Mittag räumt hier die Familie Freudinger ihre Keller aus. Jetzt werden die Weine palettenweise auf einen Lastwagen verladen. Auch im Weinbistro der Winzergenossenschaft, gleich daneben, erwartet man den baldigen Wassereinbruch. Das Untergeschoss des alten Rathauses ist nur scheinbar weit weg vom Main. Beim letzten Hochwasser 2003 stand das Wasser hier kniehoch in der Hauptstraße. Jetzt müssen alle Einrichtungsgegenstände aus dem neuen Weinbistro herausgeschafft werden. Der Geschäftsführerin Gisela Ritz graut es jetzt schon vor dem Anblick, den ihr Bistro hinterher wohl bieten wird.

Den ganzen Montag machen die betroffenen Anwohner weiterhin ihre Häuser so gut sie können hochwassersicher. Noch immer ist der Scheitelpunkt des Hochwassers mit 6,50 Metern vorausgesagt. Der soll in der Nacht zum Dienstag erreicht werden. Jetzt können alle nur hoffen, dass es doch nicht soviel wird und der Damm im Maintor ausreicht. Und dass die alte Stadtmauer der Belastung standhält. Immerhin wurde sie gebaut um Feinde abzuwehren, als Hochwasserschutz war sie nicht gedacht. Das zeigt sich auch entlang des jahrhundertealten Bauwerks. An vielen Stellen dringt das Wasser zwischen den Steinen schon durch.

Um 14 Uhr beginnt das Wasser aus dem Kanälen in der Hauptstraße zu steigen. Das Ochsenfurter Tor ist für den Verkehr gesperrt, denn auch hier steht schon Mainwasser auf der Straße. Und der Pegel steht erst bei 5,50 Metern. Am Abend will der Landrat sich ein Bild vom Hochwasser in Frickenhausen machen. Vielleicht kann der dann die Regierung überzeugen, dass der Hochwasserschutz in Frickenhausen wichtig ist. In einer Prioritätenliste der Staatsregierung wurde er aktuell jedenfalls ziemlich weit hinten angestellt.